

Reduzierung der ungenutzten Unterkünften von Flüchtlingsheimen
Der Landkreis Limburg-Weilburg ist gesetzlich verpflichtet, Gemeinschaftsunterkünfte für
Flüchtlinge vorzuhalten. Diese Pflicht darf jedoch nicht dazu führen, dass dauerhaft erhebliche
Mittel für ungenutzte oder ineffizient vorgehaltene Kapazitäten gebunden werden. Aktuell sind
rund 43 % der Plätze in den Gemeinschaftsunterkünften nicht belegt. Jeder vorgehaltene Platz
verursacht Kosten im dreistelligem Bereich pro Monat, sodass dem Kreis jährliche Ausgaben für Kapazitäten
entstehen, die keinen tatsächlichen Nutzen erfüllen. Dieses Geld fehlt an anderer Stelle – etwa
bei Infrastruktur, Gesundheitsversorgung oder der Entlastung der Kommunen.
Wir halten es für zwingend notwendig, sämtliche Ausgaben im Bereich Unterbringung und
Sozialleistungen einer strengen Wirtschaftlichkeitsprüfung zu unterziehen. Leistungen müssen
denen zugutekommen, die tatsächlich schutzbedürftig sind. Gleichzeitig müssen Fehlanreize
und Formen der missbräuchlichen oder unangemessenen Inanspruchnahme sozialer Leistungen
konsequent begrenzt werden.
Öffentliche Mittel dürfen nicht für Strukturen gebunden werden,die ineffizient sind oder dauerhaft
Leerstand finanzieren. Sollte es erneut zu einem kurzfristig erhöhten Unterbringungsbedarf kommen,
setzen wir auf zeitlich begrenzte, flexible Lösungen, etwa die Nutzung vorhandener Hallen sowie mobiler
Container- oder Zeltlösungen. Eine dauerhafte Vorhaltung großer, kostenintensiver Reservekapazitäten
ist weder notwendig noch verantwortungsvoll.
Pragmatische Lösungen statt ideologischer Vorgaben!
Wir setzen auf eine kosteneffiziente und praxistaugliche Umsetzung gesetzlicher
Heizungsanforderungen mit klarem Fokus auf kreiseigene Gebäude. Reversible Klimaanlagen
mit Heizfunktion (Luft-Luft-Wärmepumpen) gelten als Heizungen und sind technisch
anerkannte Wärmepumpenlösungen. Sie sind deutlich günstiger als klassische Wärmepumpen-
Vollsysteme, schneller zu installieren und erfordern keine tiefgreifenden Umbauten an der
Gebäudesubstanz.
Der Landkreis soll diese Technik vorrangig in eigenen Liegenschaften prüfen und einsetzen. Ziel
ist es, Sanierungskosten deutlich zu senken, Investitionen schneller wirksam zu machen und
zugleich den Energieverbrauch effizienter zu steuern. Neben der Heizfunktion bieten Luft-Luft-
Wärmepumpen eine zusätzliche Kühlmöglichkeit im Sommer, wodurch ein praktischer Mehrwert für
Verwaltungsgebäude, Schulen und andere öffentliche Einrichtungen, ohne kostenintensive
Komplettsanierungen, geboten wird.
Parallel ist zu prüfen, in welchem Umfang diese Sanierungsform für
Privathaushalte unterstützend begleitet werden können, etwa durch Informationsmaterialien,
technische Leitfäden oder gezielte Förderansätze im Rahmen der kommunalen Möglichkeiten.
Regional kaufen – lokale Betriebe sichtbar machen
Wir wollen die regionale Landwirtschaft und das handwerkliche Lebensmittelgewerbe im Kreis
Limburg-Weilburg sichtbar und wirtschaftlich stärken. Dazu initiieren wir den Aufbau eines
regionalen Vertriebs- und Informationsportals, auf dem sich lokale Bauernhöfe, Hofläden,
Metzgereien und Bäckereien freiwillig registrieren und ihre Angebote präsentieren können. Ziel
ist es, Bürgerinnen und Bürgern einen klaren Überblick darüber zu geben, was wo im Kreis lokal
produziert und verkauft wird: transparent, aktuell und leicht zugänglich.
Über das Portal können Betriebe ihr Sortiment darstellen, saisonale Produkte hervorheben und
Angebotsaktionen oder Sonderverkäufe ankündigen. Damit schaffen wir eine direkte
Verbindung zwischen Erzeugern, handwerklichen Betrieben und Kunden aus der Region, ohne
Zwischenhändler und ohne bürokratische Hürden. Ergänzend wird der Start des Portals durch
gezielte Informations- und Flyeraktionen begleitet, um die Bekanntheit in der Bevölkerung
aufzubauen und das Bewusstsein für regionale Produkte zu stärken.
Die Anschubfinanzierung für Entwicklung, Hosting und Bewerbung erfolgt initial durch den
Kreis. Sobald sich das Portal etabliert hat und von den Betrieben aktiv genutzt wird, soll der
laufende Betrieb eigenständig über moderate Teilnahme- und Abonnementgebühren der
Anbieter finanziert werden. Damit stellen wir sicher, dass das Projekt langfristig tragfähig ist
und nicht dauerhaft den Kreishaushalt belastet.
Unser Ziel ist keine staatliche Vermarktung, sondern eine pragmatische Infrastruktur, die
Transparenz schafft, regionale Wertschöpfung fördert und lokale Betriebe im Alltag der
Menschen wieder stärker ins Bewusstsein rückt. Regionale Lebensmittel sollen im Kreis
Limburg-Weilburg leichter auffindbar, sichtbarer und wirtschaftlich attraktiver werden für
Anbieter als auch für Verbraucher.
Gesundheit vor Ort stärken – Wiedereinführung der Gemeindeschwester
Zur Entlastung von Ärzten, Krankenkassen und Notaufnahmen wollen wir die
Gemeindeschwester im Landkreis Limburg-Weilburg wieder etablieren. Erfahrene
Pflegefachkräfte mit Zusatzqualifikation besuchen Bürger freiwillig zuhause, beraten zu
Gesundheitsfragen und erkennen Probleme frühzeitig, bevor daraus akute Behandlungsfälle
oder Krankenhausaufenthalte werden. So lassen sich unnötige Arztbesuche,
Rettungsdiensteinsätze und Einweisungen vermeiden mit positiven Effekten für Kosten und
Versorgungsqualität.
Die Gemeindeschwester erbringt keine Pflegeleistungen, sondern wirkt präventiv und
koordinierend. Sie stärkt Gesundheitskompetenz und Selbstständigkeit, entlastet Hausärzte von
Routineaufgaben und fungiert als Schnittstelle zwischen Bürgern, Ärzten, Pflegestützpunkten
und sozialen Angeboten. Besonders profitieren ältere Menschen, chronisch Kranke und Familien
im ländlichen Raum. Der Landkreis schafft dabei keine neuen eigenen Strukturen, sondern gibt
den Impuls an Städte und Gemeinden; auf Kreisebene übernimmt er Koordination, Standards,
rechtssichere Vorlagen und Unterstützung bei Organisation und Finanzierung.
Überprüfung freiwilliger kommunaler Leistungen
Freiwillige kommunale Leistungen machen einen erheblichen Anteil des Kreishaushalts aus.
Dazu zählen unter anderem der öffentliche Buspersonennahverkehr, die Schuldner- und
Drogenberatung oder das Frauenhaus. Diese Angebote sind für viele Menschen notwendig und
aus dem Alltag des Landkreises nicht wegzudenken. Ein pauschaler Abbau solcher Leistungen
ist weder realistisch noch verantwortungsvoll.
Gleichzeitig zeigt sich hier ein strukturelles Problem: Bund und Land übertragen den
Kommunen und Landkreisen immer neue Aufgaben, ohne diese dauerhaft und auskömmlich zu
finanzieren. Die Folge ist eine schleichende Aushöhlung der kommunalen Selbstverwaltung, bei
der der Kreis Leistungen erbringen muss, die politisch gewollt, aber finanziell nicht abgesichert
sind.
Als verzichtbar sehen wir hingegen die Finanzierung sogenannter Nicht-
Regierungsorganisationen aus öffentlichen Mitteln, sofern diese keinen klaren, überprüfbaren
Mehrwert für den Landkreis erbringen. Steuergelder müssen vorrangig für Aufgaben eingesetzt
werden, die unmittelbar den Menschen im Kreis Limburg-Weilburg zugutekommen.
Pflichtaufgaben auf das Notwendige beschränken
Krankenhäuser müssen mit Landesmitteln saniert und neu gebaut werden können
Die medizinische Versorgung im Landkreis Limburg-Weilburg braucht moderne und
leistungsfähige Krankenhausstrukturen. Der geplante Neubau des Kreiskrankenhauses Weilburg
ist notwendig: Das bestehende Gebäude aus den frühen 1970er-Jahren entspricht weder
baulich noch funktional den heutigen medizinischen, hygienischen und betrieblichen
Anforderungen.
Die Finanzierung solcher Neubauten darf jedoch nicht zulasten der kommunalen Haushalte
gehen. Nach dem Grundsatz der dualen Krankenhausfinanzierung ist das Land in der Pflicht,
Investitionen in Krankenhausbauten und Großsanierungen zu tragen. Der Landkreis kann diese
Last weder dauerhaft schultern noch über steigende Umlagen an die Städte und Gemeinden
weiterreichen.
Wir fordern daher, dass das Land Hessen den Neubau des Kreiskrankenhauses Weilburg
entsprechend den Vorgaben des Krankenhausfinanzierungsrechts weitgehend finanziert. Eine
funktionierende Krankenhausversorgung ist eine Aufgabe der Daseinsvorsorge auf
Landesebene und kein Sparposten der Kommunen.
Tourismus stärken – Betriebe entlasten, Region attraktiv machen
Hessen ist ein attraktives Reiseziel, und die Tourismuswirtschaft gehört zu den wichtigsten
Wirtschaftszweigen des Landes. Auch im Landkreis Limburg-Weilburg sichert sie zahlreiche
Arbeitsplätze und trägt wesentlich zur regionalen Wertschöpfung bei. Gleichzeitig stehen viele
touristische Betriebe unter massivem Druck: steigende Betriebskosten, Personalmangel und
zunehmende Bürokratie gefährden ihre wirtschaftliche Existenz.
Wir wollen deshalb die Attraktivität des Landkreises gezielt steigern und zugleich die regionale
Wirtschaft stärken. Dazu soll Limburg-Weilburg ein modernes Tourismusförderprogramm
entwickeln, das analoge und digitale Angebote miteinander verbindet. Ein zentraler Baustein
kann ein Erlebnis-Gutscheinheft für den Landkreis Limburg-Weilburg sein. Dieses bündelt
Angebote aus Gastronomie, Freizeit, Sport, Kultur und Einzelhandel – von kulinarischen
Aktionen über Ermäßigungen für Freizeit- und Kultureinrichtungen bis hin zu besonderen
regionalen Erlebnissen. Ziel ist es, Besucher länger im Kreis zu halten, zusätzliche Anreize zu
schaffen und lokale Betriebe sichtbar zu stärken.
Das Gutscheinheft soll sowohl klassisch in gedruckter Form über Tourist-Informationen, Hotels
und Beherbergungsbetriebe verfügbar sein als auch digital über QR-Code oder App, um eine
breite Zielgruppe zu erreichen. Ergänzend können thematische Schwerpunkte oder saisonale
Ausgaben – etwa für Familien, Kulinarik oder Outdoor-Angebote – entwickelt werden.
Marketingmaßnahmen über Social Media, regionale Kooperationen und touristische
Vertriebspartner erhöhen die Reichweite und binden neue Zielgruppen.
Die Finanzierung soll haushaltsschonend erfolgen. Vorrangig sollen Landes-, Bundes- und EU-
Fördermittel genutzt werden, mit denen das Land Hessen touristische Infrastruktur und
Vermarktung bereits heute mit Zuschüssen von bis zu 50 bis 60 Prozent unterstützt. Ergänzend
können teilnehmende Betriebe mit einem moderaten Kostenbeitrag eingebunden werden, der
im Verhältnis zum Marketingnutzen gering bleibt. Sponsoren aus der Region können zusätzliche
Unterstützung leisten, ohne die inhaltliche Ausrichtung zu beeinflussen.
Unser Ziel ist ein wirtschaftlich starker, wettbewerbsfähiger Tourismus im Landkreis Limburg-
Weilburg: weniger Abgaben, gezielte Förderung und intelligente Vermarktung, damit Betriebe
bestehen, Arbeitsplätze gesichert werden und der Landkreis als vielfältige Erlebnisregion
nachhaltig an Attraktivität gewinnt.
Kommunalwahlprogramm für den Kreis Limburg-Weilburg
